Dieses Jahr ist es in Sachen sportliche Ziele wirklich überhaupt nicht so gelaufen,
wie ich mir das vorgestellt hatte. Vor fast genau einem Jahr bin ich bei meinem
ersten Halbmarathon angetreten und natürlich wollte ich das dieses Jahr wiederholen. Aber aktuell bin ich froh, wenn ich problemlos 5 km laufen kann.
Das Laufjahr ging zwar noch ganz gut los und ich habe den ersten geplanten Lauf des Jahres (
10 km beim Solitude-Lauf) erfolgreich in neuer Bestzeit absolviert. Aber danach ging es nur bergab: Ich habe mich vom Training für den Halbmarathon beim Stuttgart-Lauf nicht nur
oft total gestresst gefühlt, sondern musste auch mit einer relativ lange Verletzungsserie kämpfen, die ich erst jetzt so einigermaßen überwunden habe.
Es begann mit Schmerzen in der rechten Hüften durch eine Entzündung im Hüftgelenk bei einem der langen Trainingsläufe, die dazu geführt haben, dass ich das
Halbmarathontraining abbrechen und die Teilnahme am Halbmarathon absagen musste. Ich konnte wochenlang nicht laufen gehen, aber ich wollte für den
Women’s Run in Köln wieder fit sein. Kurz davor habe ich Schmerzen im rechten Fuß bekommen, die ich sogar beim ganz normalen Gehen hatte. Ich habe den Women’s Run zwar durchgezogen, bin jedoch vom 8km- auf den 5km-Lauf umgestiegen. Die Diagnose vom Arzt: Ein entzündeter Fersensporn. Und das genau vor unserem
NYC-Urlaub! Dank Einlagen und Schmerztabletten habe ich den Urlaub gut überstanden und die Schmerzen im Fuß wurden besser, aber danach hat mein rechtes Knie wieder Zicken gemacht. Ich muss dazu sagen, dass ich früher mit dem rechten Knie durch ein anatomisch bedingtes Patellaspitzensyndrom (chronische Entzündung der Patella-Sehne) große Probleme hatte. Durch einem operativen Eingriff vor ein paar Jahren hatte sich das aber erledigt und ich hatte keinerlei Knieprobleme mehr – auch letztes Jahr beim Halbmarathontraining nicht. Doch jetzt hat sich die Patella-Sehne wieder entzündet, sodass ich nicht nur Schmerzen beim Laufen, sondern auch beim Krafttraining hatte. Durch Physiotherapie, Schmerztabletten und Salben habe ich das Knie mittlerweile zwar wieder im Griff, aber ich rätsle immer noch, warum ich dieses Jahr so verletzungsgeplagt war.
Lange Zeit habe ich es auf ein Paar Schuhe geschoben, die ich mir im Februar dieses Jahres gekauft hatte. Es war ein neues Paar aus der Asics-GT-21xx-Serie (GT-2170), mit denen ich schon seit Jahren laufe. Das war das einzige, was ich verändert hatte. Der Aufbau des Trainings war wie im Vorjahr und ich habe keine neuen Trainingsmethoden eingeführt. Aber irgendwie konnte ich es selber nicht ganz glauben, dass es an den Schuhe lag, denn ich bin 3 Monate mit diesen Schuhen gelaufen und habe mit ihnen auch das Training für den 10km-Lauf absolviert. Außerdem nutze ich min. 3 Paar verschiedene Laufschuhe fürs Lauftraining, sodass diese Schuhe gar nicht so oft zum Einsatz kamen.
Ich bin einfach nicht auf die Idee gekommen, dass der Grund die Verletzung auch ein Übertraining, also eine Überlastung durch zu intensives Training, sein könnte – bis ich dazu etwas in meinen
Fitnesstrainier-B-Lizenz-Unterlagen gelesen hatte. Da viel es mir wie Schuppen von den Augen.
Natürlich war mir das Thema bekannt. Doch manchmal muss man es nochmal Schwarz auf Weiß lesen, bevor es Klick macht. Und da es vielleicht von euch auch jemanden gibt, der sich mit Verletzungen herumschlägt und nicht so genau weiß, warum es nicht besser wird, möchte ich heute ein paar Informationen dazu mit euch teilen.
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Überlastung durch Übertraining dadurch hervorgerufen wird, weil der Körper sich nicht mehr richtig regenerieren kann. Doch dieser Umstand kann verschiedene Ursachen haben, z.B.:
- Zu schnelle Steigerung der Trainingshäufigkeit
- Zu kurze Erholungspausen zwischen den Trainingseinheiten
- Dauerhaft zu hohe Trainingsintensitäten
- Überforderung und Konflikte in anderen Lebensbereichen (Berufs- oder Privatleben)
- Ernährungsfehler
- Missbrauch von z.B. Medikamenten
- Infekte
Ihr seht schon, dass da viele Dinge zusammenspielen können. Und genauso kann sich auch ein Übertraining durch unterschiedliche Merkmale äußern, z.B.:
- Beschwerden an Muskeln, Sehnen, Bändern und Knochen
- Trainingsunlust, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, erhöhtes Ruhebedürfnis
- Anstieg der Ruhepulsfrequenz
- Anstieg des systolischen Blutdrucks
- Koordinations- und Konzentrationsstörungen
Bei mir waren v.a. die ersten beiden genannten Symptome stark ausgeprägt, denn neben den physischen Beschwerden hatte ich auch auf das Training bezogene psychische Probleme: Ich hatte oft keine Lust auf die jeweils anstehende Trainingseinheit, habe mich durch den Plan sehr eingezwängt gefühlt und hatte am Ende auch keine Lust mehr aufs Laufen.
Neben den Belastungen, die ich in anderen Lebensbereich hatte (das konnten ihr ja v.a. in den letzten Monaten mitverfolgen), war es meiner Meinung nach eine dauerhaft zu hohe Trainingsintensität und die dafür zu kurzen Erholungsphasen Grund für das Übertraining. Ich hatte zu Jahresbeginn ja schon geschrieben, dass ich mich nach dem Halbmarathon vor einem Jahr und in der Nachsaison nicht richtig regeneriert habe. Ich hatte letztes Jahr mein Trainings- und v.a Laufpensum massiv erhöht, sodass ich es über den Winter hätte langsamer angehen lassen sollen. Und eine Regeneration direkt nach dem Halbmarathon gab es eigentlich gar nicht, da wir gleich danach einen Städtetrip nach
Lissabon gemacht haben (mit viel, viel laufen). Am Ende des Winters ging es dann wieder los mit dem Lauftraining. Da ich mir für dieses Jahr hohe Ziele gesteckt hatte (Verbesserung der Halbmarathon Zeit um über 5 Minuten und Erhöhung der durchschnittlichen Laufgeschwindigkeit um 1 km/h), wurde natürlich auch das Training intensiver. Doch waren nicht nur die Tempoeinheiten intensiv. Rückblickend betrachtet habe ich irgendwie alle Trainingseinheiten sehr intensiv gestaltet: Beim Krafttraining ging ich i.d.R. ans Limit, ich habe oft intensive und anstrengende Yoga-Einheiten gewählt und die normalen sowie langen Läufe bin ich einfach zu schnell gelaufen. Speziell letzteres – die zu schnellen sonstigen Läufe – haben in Summe zu einem für mich zu großen Maß an Intensität gesorgt. Ich habe mich doch zu oft dazu verleiten lassen, eine bestimmte Zeit/Geschwindigkeit zu laufen, wenn ich das Gefühl hatte, dass mehr gehen könnte, anstatt einfach mal bewusst langsamer zu laufen. Und für diese Intensität habe ich meinem Körper zu wenig Regeneration gegeben – ein gutes Dehn-Programm und ein Ruhetag in der Woche haben für mich einfach nicht gereicht. Der Druck durch meine ambitionierten Ziele haben ihr übriges getan. Wenn ich jetzt speziell über diesen Punkt nachdenke, dann muss ich mir schon an den Kopf fassen. Vor 2011 habe ich zwar schon viel Sport gemacht und bin gelaufen, aber ich war damals wahrlich kein Langstreckenläufer. Ich bin erst letztes Jahr das erste Mal 10 km gelaufen! Da hätte es für den zweiten Halbmarathon auch gereicht, ihn einfach nur schneller als den ersten zu laufen, ohne dass gleich einige Minuten von der Endzeit wegmüssen. Aber ich setze mir gerne anspruchsvolle Ziele – das kann eben auch mal daneben gehen.
Man lernt im Laufe seines Sportlerlebens also immer wieder Neues dazu, v.a. in Bezug auf den eigenen Körper. Er ist keine Maschine und muss deswegen auch nicht immer so funktionieren, wie wir uns das vielleicht in unseren hübschen Köpfen ausdenken. Daher möchte ich euch bitten, dass ihr achtsam mit euch umgeht und auf die Signale eures Körpers hört, bevor er euch eine Zwangspause auferlegt.
Habt ihr schon mal mit Verletzungen durch Überlastung/Übertraining zu kämpfen gehabt? Wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen? Was habt ihr langfristig für euch geändert?