Der Körper als Spiegel der Seele

Sonntag, 24. Februar 2013
Vielen von euch ist bestimmt bekannt, dass unser Körper auf viele Einflussfaktoren mit Krankheit reagieren kann, wie z.B. eine Infektion, eine Verletzung, eine ungesunde Lebensweise oder aber auch psychische Probleme bzw. Konflikte. Es gibt sogar viele Sprichwörter, die auf die Verbindung zwischen Körper und Seele hinweisen: “Das macht mir Kopfzerbrechen.”, “Das schlägt mir auf den Magen.” oder “Da bekomme ich weiche Knie.” sind alles Ausdrücke von körperlichen Reaktionen auf psychische Zustände wie Angst oder Stress.
Ich war mir dieses Zusammenhangs auch schon lange bewusst. In sehr stressigen Phasen habe ich z.B. schon seit Jahren starke Rückenschmerzen bekommen, die mich teileweise völlig bewegungsunfähig gemacht haben. Und während sich meine inneren Konflikte in den letzten zwei Jahren zu einer Depression entwickelt haben, nahmen auch die körperlichen Symptome zu: Ich hatte verstärkt Probleme beim Einschlafen bzw. Wiedereinschlafen, hatte sehr oft Rückenschmerzen, bekam auf einmal Probleme mit dem Magen und habe mit Migräneanfällen zu kämpfen.
Wird der innere Druck der Seele zu hoch, so sucht er sich im Körper ein Ventil. Dies drückt sich oft durch Schlafprobleme, Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt oder Schmerzen jeglicher Art aus. Das schwierige an der Sache: Es reicht oft nicht aus, diesen Zusammenhang zu erkennen und an den seelischen Ursachen zu arbeiten, damit diese psychosomatischen Symptome ganz verschwinden.

Ich war mir vor dem Klinikaufenthalt nicht bewusst, wie eng diese Verbindung wirklich ist. Ich konnte das nicht nur bei mir selbst beobachten, sondern bei allen meinen Mitpatienten. Da hatte jeder sein eigenes Päckchen an psychosomatischen Symptomen zu tragen. Ich habe erst in der Klinik gemerkt, wie stark sich meine seelische Anspannung in körperlicher Anspannung ausdrückt. Besonders zu schaffen haben mir mein oft sehr unruhiger und unerholsamer Schlaf sowie meine Rückenschmerzen gemacht. Speziell bei meinem Rücken konnte ich innerhalb von kürzester Zeit eine Veränderung von leicht verspannt (mein Dauerzustand) zu heftigen Rückenschmerzen beobachten, wenn ich eine intensive und anstrengende Therapieeinheit hinter mir hatte. Dabei musste es nicht einmal zwingend um mich direkt gehen, denn auch die Themen der Mitpatienten können einem sehr zu schaffen machen. Ich hatte vor der Klinik nicht nachvollziehen können, warum ich immer so Probleme mit meinem Rücken habe. Ich habe eine gute Muskulatur, bewege mich viel und habe auch sonst keine nennenswerten anatomischen Fehlstellungen in der Wirbelsäule. Trotzdem dachte ich primär an körperliche Ursachen. Doch konnte mir kein Yoga und kein Krafttraining dabei helfen, die Rückenschmerzen dauerhaft loszuwerden. Es ist vielmehr so, dass die Anspannung in meinem Rücken ein Gradmesser für meine innere Anspannung ist. Das heißt aber auch, dass ich mich damit abfinden muss, dass ich mich ggf. mein Leben lang mit Verspannungen und Schmerzen im Rücken rumschlagen muss. Es geht bei psychosomatischen Symptomen oft gar nicht darum, sie komplett wegzubekommen – das ist oft gar nicht möglich. Wenn man sie vielmehr als Alarmsystem versteht, fällt es jedoch leichter, mit ihnen umzugehen. Wenn ich z.B. die Zeichen wie eine zunehmende Verspannung im Rücken, Muskelschmerzen durch Anspannung und Müdigkeit ignoriere – mir also keine Pause nehme, um zu schauen, was mir da gerade innerlich so zu schaffen macht –, dann sorgt mein Körper dafür, dass ich mir die Pause nehmen muss, indem er mich außer Gefecht setzt. Ich war nicht umsonst zwei Mal in der Klinik stark erkältet und habe nachts Migräneanfälle bekommen. Ich sage euch, die Therapie war auch für meinen Körper kein Zuckerschlecken! Doch war ich mehr und mehr fasziniert davon, wie sich meine Seele über meinen Körper zu Wort meldet. Wenn ich auf die Anzeichen geachtet habe, mir Ruhe zum In-mich-Hineinhören genommen und gleichzeitig meine körperlichen Symptome behandelt habe (oft auch ohne Medikamente, sondern z.B. durch eine Wärmeflasche, ein heißes Bad oder Feldenkrais-Übungen), ließ die Anspannung spürbar nach. Und genau darum geht es meiner Meinung nach auch im Alltag – dazu muss man keine Depression haben oder in psychotherapeutischer Behandlung sein.

Die Seele verschafft sich einfach nur etwas Aufmerksamkeit, wenn Hektik und Trubel zu viel werden. Sie sagt uns, dass wir einen Gang zurückschalten sollen, da gerade zu viel Energie benötigt wird, um den Laden am Laufen zu halten. Sie will uns damit nicht bestrafen und man braucht sich auch nicht darüber ärgern, dass der Körper mal wieder nicht so funktioniert, wie man das von ihm erwartet. Mit ein bisschen mehr Achtsamtkeit kann man dem “Totalausfall”, wo wir zur Ruhe gezwungen werden, mit wenig Aufwand sehr gut vorbeugen, indem man Momente der Ruhe in seinen Tag einbaut, die im Inneren mehr Raum schaffen. Manchmal braucht es davon mehr, manchmal weniger. Und manchmal wird man auch das Gefühl haben, dass zunächst gar nichts hilft. Ich schlage mich seit der Entlassung aus der Klinik wieder mit sehr intensiven Träumen rum und bin oft total erschlagen, wenn ich morgens aufwache. Ich sage euch, schlechter Schlaf zehrt auf Dauer ganz schön an einem und natürlich nervt mich das. Vor ein paar Tagen habe ich mich wieder besonnen (denn ärgern hilft ja auch nichts) und damit angefangen, mich morgens stärker mit dem auseinanderzusetzen, was da nachts in mir vorgeht. Und siehe da, die Lage hat sich zumindest ein bisschen entspannt. Manche Dinge wollen einfach nur gesehen und anerkannt werden. Mehr ist oft gar nicht nötig.

Habt ihr schon bewusst psychosomatische Symptome bei euch wahrgenommen? Wie sieht das körperliche Alarmsystem eurer Seele aus? Wie geht ihr damit um?
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10 Kommentare:

Asti hat gesagt…

Bei mir spielt bei allzu viel Stress/Belastung die Schilddrüse verrückt! Ich habe das Gefühl, dass mir ständig die Luft zum Atmen fehlt. So erging es mir in der Woche vor Weihnachten. Unendlich viel zu tun für die Uni, ein Laborbericht jagt den nächsten, Versuche hier, Versuche da, Hausarbeiten ohne Ende und die bevorstehnde Klausurenzeit im Januar. Ich dachte erste meine Werte bzgl meiner Schilddrüsenunterfunktion sind schlechter geworden, aber die Werte waren in Ordnung, meine Hausärztin hatte nichts zu bemängeln. Also wurde ich nach meiner Schilderung kurzer Hand für die letzte Uniwoche krank geschrieben und habe mir 10 Tage Erholung gegönnt. Wäre das so weitergegangen, dann hätte ich das ganze restliche Semester vergessen können. Quasi nochmal kurz vor dem "Schwarzfall" gerettet.

Nach so einem Vorfall wird einem mal wieder bewusst bzw bewusster mehr auf sich zu achten. Mehr Ruhepausen einzuplanen. Sich damit auseinanderzusetzen, was kann ich besser machen/verändern? Und siehe da, dann gehts wieder Berg auf.

Jens hat gesagt…

Hallo Julia,

Vieles was du schreibst kenne ich. Auch ich habe diese Zusammenhänge in meiner Reha kennengelernt und seit dem übersetze ich viele körperliche Sympthome in die Psyche. Es hilft mir, ist aber auch sehr anstrengend. Auf jeden Fall ist bei uns der Medikonsum extrem gesunken:-)

Es gibt von Rüder Dahlke ein Buch mit der Deutung von körperlichen Sympthomen in Bezug auf die Psyche. Ich kann mich in meinen Hinweisen gut erkennen. Immer wenn ich zu viel Kontrolle ausübe oder das Leben nicht laufen lasse, treten viele Dinge auf die mich krank gemacht haben. Das ist dort echt gut beschrieben, doch umsetzen müssen wir das halt selber:-)

Ich wünsche Dir viel Geduld dabei....

LG Jens

soeren76 hat gesagt…

Hallo Julia,

ich kenn das auch. Zum Schluss bin ich komplet aus FB gegangen und danach waren Stresssyntome weg ;)

Ich hatte auch schon immer, wenn ich aufgeregt war oder Angst hatte, Magenprobleme schon als Kind .

LG Sören

selbstbewusstleben hat gesagt…

Hallo Jens,


das Buch klingt sehr interessant. Danke für den Tipp!
Bei mir ist es genau wie du schreibst: "das Leben nicht laufen lassen und zuviel Kontrolle ausüben wollen". Das ist auch mein Manko! Aber ein wichtiger Schritt ist zu wissen, dass man so tickt.


Liebe Grüße Kristin

selbstbewusstleben hat gesagt…

Dieser Post spricht mir aus der Seele. Oder soll ich sagen, aus dem Körper und der Seele. Aktuell habe ich auch eine Phase, in der wieder sehr viel los ist in meinem Leben. Es gibt viele schöne Dinge und Pläne. Es gibt aber auch weniger schöne Sachen, die erledigt werden wollen. Ich fühle mich gestresst und kann nicht mehr richtig priorisieren. Letztens hat mir sehr geholfen, dass ich all die Dinge, die mir als vermeintliche Todos durch den Kopf geisterten, rausgeschrieben habe. Ja, tatsächlich rausgeschrieben. Sie waren auf einmal raus aus meinem Kopf und standen dort neutral auf dem Zettel. Und schon waren sie weniger einnehmend und bedrohlich für mich. Ich konnte so viel besser ordnen und sortieren.
Vorher haben sich bei mir aber auch einige körperliche Symptome gezeigt, die ich zunächst ignoriert habe (Sodbrennen,Einschlafschwierigkeiten etc.). Doch seitdem ich das erkannt habe, geht es mir besser.
Außerdem hilft mir gerade sehr das Buch "Wahre Kraft kommt von innen" von Louise Hay. Positive Affirmationen für den Alltag sind definitiv mein Ding. Ich habe erst beim Lesen gemerkt, dass ich sogar früher in der Schul- und Unizeit welche benutzt habe (z.B. vor Prüfungen), ohne dass ich es als Affirmationen deklariert habe.
Daher arbeite ich seit einer Woche sehr viel damit und es wird besser. Mein Sodbrennen geht zurück. Ohne dass ich sonst etwas geändert habe.

BalanceAkt hat gesagt…

Danke für deine Erfahrungen!
In der Klinik wurde bei körperlichen Beschwerden auch erst einmal von somatischer Seite alles abgecheckt, damit man da nichts übersieht und ggf. medikamentös einlenken kann.
Ich habe in der Vergangenheit oft gemerkt, dass man denkt "Nur noch diese Woche/bis zum XYZ durchhalten, dann kann ich mir ne Pause gönnen." Aber das ist totaler Quatsch! Man hat oft das Gefühl, die Welt würde zusammenbrechen, wenn bestimmte Dinge auf der ToDo-Liste nicht getan werden. Doch die Welt dreht sich trotzdem weiter. Und ein bisschen weniger zu schaffen ist immer noch besser, als durch einen Totalausfall gar nichts hinzubekommen. :)

BalanceAkt hat gesagt…

Danke für den Buchtipp!
Man muss glaube ich auch bei der Deutung von körperlichen Symptomen etwas langsam machen und darf nicht damit anfangen, jedes kleine Zwicken und Zwacken deuten zu wollen. Man muss eher wachsam sein für ständig wiederkehrende Beschwerden und den Zusammenhang mit äußeren Umständen.

BalanceAkt hat gesagt…

Hallo Sören,


ich hatte mich schon gefragt, warum du aus FB raus bist, konnte es mir aber schon fast denken. :)
Ich find's toll, dass du da so konsequent warst!


Alles Liebe
Julia

BalanceAkt hat gesagt…

Ich bin auch immer wieder erstaunt, dass Aufgaben, wenn man sie nur im Kopf hat, oft viel aufwändiger/schwieriger/einnehmender erscheinen, als sie es wirklich sind. Das "Rausschreiben" hilft mir da auch oft und stoppt häufig auch die Gedankenspirale, in die ich nur allzu oft hineingerate und die alles noch schlimmer macht.


Das Buch muss ich mir mal anschauen. Mit Affirmationen habe ich bislang noch nicht so richtig bewusst gearbeitet, sodass ich auch eine Verbesserung wahrgenommen hätte. Fremd formulierte Affirmationen sind da glaube ich für mich nicht so gut - das muss aus meinem Inneren kommen.

soeren76 hat gesagt…

Hallo Julia,
hab jetzt auch ein weg gefunden wenigstens meine Fan Seite meines Bloggs am Leben zu halten.
So kan ich wenigstens weiter ein Lebenszeichen senden :)

LG
Sören

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