Don’t Stop Believin’ – Die 10 km beim Solitudelauf 2014

“Just a small town girl, livin‘ in a lonely world
She took the midnight train goin‘ anywhere
Just a city boy, born and raised in South Detroit
He took the midnight train goin‘ anywhere…”

Jedes Mal, wenn ich die ersten Takte von “Don’t Stop Believin’” in der Glee-Cast-Version höre, bekomme ich Gänsehaut.

Als ich mich auf meinen ersten Halbmarathon vorbereitet habe, habe ich zu diesem Lied den Zieleinlauf visualisiert. Und als es dann endlich soweit war, dass ich wirklich ins Ziel gelaufen bin, lief natürlich dieses Lied auf meinem iPod.
Seitdem habe ich jedes Mal einen Gänsehautmoment, wenn ich dieses Lied höre – und ich träumte von meinem nächsten Zieleinlauf.

Gestern war es dann endlich wieder soweit!

Solitudelauf1

Im Sommer 2012 bin ich bei meiner letzten offiziellen Laufveranstaltung an den Start gegangen. Danach hat das Laufen bei mir eher ein Schattendasein geführt. Durch die Verletzungen in Folge des Übertrainings und den mentalen Stress, den ich mit dem Laufen verbunden hatte, habe ich lange Zeit nicht wieder richtig zurück in den Laufschritt gefunden.
Als ich Anfang des Jahres meine Jahreslandkarte für 2014 gestaltet habe, kam der Wunsch, erneut an einem langen Lauf teilzunehmen, wieder in mir auf. Daher habe begonnen, nach meinen körperlichen Beschwerden schauen zu lassen, und habe in den letzten Wochen mit dem C25K-Programm wieder zum Laufen zurückgefunden. Doch war ich bis vor Ostern gedanklich noch meilenweit davon entfernt, mich wirklich für eine Laufveranstaltung anzumelden.
Dann kam ganz plötzlich die Lust auf, dass ich es doch in naher Zukunft mit einem 10-km-Lauf wagen könnte. Zuerst hatte ich dabei an den Stuttgart-Lauf gedacht, doch wird dort als kurze Strecke “nur” noch ein 7-km-Lauf  angeboten. Dass in Gerlingen auch wieder der Solitudelauf anstand, wusste ich natürlich, doch hatte ich durch mein Erlebnis von 2012 ganz schlechte Erinnerungen an diese Strecke. Außerdem war es am Osterwochenende nur noch eine Woche bis zum Lauf und ich war bis dato seit knapp zwei Jahren keine 10 km mehr am Stück gelaufen.

Ich habe mich dann ganz spontan dazu entschieden, doch am 10-km-Lauf teilzunehmen – allen Widrigkeiten zum Trotz. Ich hatte viel zu große Lust, bei einem Lauf mitzumachen, als dass ich mich von meinen Ängsten hätte zurückhalten wollen. Was hatte ich denn zu verlieren? Genau: Gar nichts.

Da ich die Online-Anmeldung verpasst hatte, bin ich gestern morgen schon früh im Regen aus dem Haus, um mich für den Lauf nachzumelden. Das Frühstück – Kaffee und leckere Brownies – habe ich mitgenommen und vor Ort gegessen. Viel ging aber nicht runter, da sich die Aufregung gemeldet hat. In der Gerlinger Stadthalle habe ich dann auch Basti vom Stahl Sport Shop getroffen, der auch die 10 km gelaufen ist. So hatte ich jemanden zum Reden, bis es Zeit war, in den Shuttle-Bus zum Start zu steigen (meinen Schatz habe ich länger schlafen lassen – er hat dann im Ziel auf mich gewartet).

Den Lauf selbst bin ich völlig ohne Erwartungen angegangen. Ich würde eben so lange brauchen, wie ich brauche. Wenn ich Geh-Pausen bräuchte, würde ich sie mir nehmen, und wenn’s gar nicht weitergehen sollte, dann würde ich aufhören.

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So bin ich nach dem Startschuss, zu dem der Regen pünktlich aufgehört hat, in meinem eigenen Tempo losgelaufen und habe mich erst einmal nicht von bekannten Gesichtern, die ich beim Start getroffen habe, mitreißen lassen. Wo ich vor zwei Jahren von Beginn an kämpfen musste, fühlte sich dieses Mal alles so leicht an. Als ich bei Kilometer 5 auf meine Uhr geschaut habe, was ich total erstaunt, dass diese unter 28 Minuten angezeigt hat. Mir ging kurz durch den Kopf, dass ich die 10 km vielleicht doch in einer Stunde schaffen könnte. Ich fühlte mich immer noch total gut!
Die zweite Hälfte der Strecke begann mit einem langen Abstieg. Dort habe ich einen Bekannten getroffen, den ich schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. Wir haben uns unterhalten und er mich mit seinem Bergab-Tempo mitgezogen. Beim folgenden Anstieg (den ich noch als Höllenqual in Erinnerung hatte) konnte ich mich in Sachen Tempomachen revanchieren. So sind wir gemeinsam fast die gesamte zweite Hälfte gelaufen. Nur am Ende, als ich auf dem letzten Kilometer “Don’t Stop Believin’” reingemacht habe und auf die Zielgerade eingebogen bin, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich habe meine letzte Kraft aktiviert und zum Endspurt angesetzt. Auf der Zielgeraden ging es noch einmal bergab, sodass ich mit vollem Tempo vorbei an den Zuschauern nach 54:14 Minuten über die Ziellinie gelaufen bin.

Mein Schatz hat auf den letzten Metern gerade noch ein Foto mir machen können. Er hatte noch gar nicht mit mir gerechnet. Ich ehrlich gesagt auch nicht. 54:14 – wie konnte das denn bitte passieren! Ich hatte es nicht nur wider Erwarten geschafft, die 10 km am Stück ohne Pause zu laufen, ich bin sie auch noch unter einer Stunde gelaufen! Das hätte ich wirklich niemals für möglich gehalten. Ich glaube, ich habe nach dem Zieleinlauf auch einen Freudenschrei rausgelassen. Ich war so glücklich, dass ich nicht mehr an mich halten konnte.

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Ja, ich bin gestern an meine Grenzen gegangen. Das spüre ich heute ganz deutlich in den Beinen. Mich hat auf der Streck der Ehrgeiz gepackt und ich habe auf den letzten beiden Kilometern gekämpft, wo ich bei einem ganz normalen Trainingslauf langsamer gemacht hätte. Aber ich habe, ohne dass ich mir großen Druck gemacht habe, nicht nur ein tolles Ergebnis erreicht, sondern auch ein wundervolles Lauferlebnis gehabt. Und an dieses Gefühl möchte ich bei meinen zukünftigen Lauferlebnissen festhalten.

Denn ich habe letzte Woche noch eine weitere Entscheidung getroffen: Dieses Jahr werde ich nicht nur meinen zweiten Halbmarathon absolvieren – 2014 wird mein Marathon-Jahr! Ihr lest ganz richtig: Ich werde dieses Jahr meinen ersten Marathon laufen, für den ich mich auch schon angemeldet habe.

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Den 26.10.2014 habe ich in meinem Kalender schon rot markiert. Und ihr werdet mich natürlich auf dem Weg zu meinem ersten Marathon belgeiten. Das Training werde ich ich dieses Mal mit Betreuung absolvieren, worauf ich mich schon wahnsinnig freue. Die explizite Marathon-Vorbereitung werde ich im Juli beginnen. Bis dahin heißt es weiterhin laufen, laufen, laufen mit folgenden Liedzeilen im Kopf:

“Don’t stop believin‘
Hold on to that feelin’”

13 Comments

  • Wow! Was für eine Zeit! Glückwunsch dir!

    Und das mit dem Marathon ist ne gute Idee – schließlich hast du auch noch n halbes Jahr Zeit um dich vorzubereiten. Und Frankfurt ist sowieso voll schön um einen Marathon zu laufen (wenn man die Mainzer Landstr. mal ausnimmt – aber des findest selber raus)

  • Herzlichen Glückwunsch! Das ist doch eine super Zeit! Und dann noch gleich Marathon in diesem Jahr – Respekt! Wünsche Dir auf dem Weg dahin viel Erfolg!

  • Danke! Ich kann es selbst immer noch nicht so richtig fassen. 🙂

    Ich freue mich jetzt schon sehr auf den Marathon in Frankfurt, v.a. seit ich Videos vom Zieleinlauf in der Messehalle gesehen habe. Was für ne tolle Atmosphäre!

  • Oh mein Gott! Ich habe Gänsehaut bekommen, als ich diese Zeilen von dir gelesen habe!!! WOW! Ich bin mit ganzem Herzen bei dir und fiebere mit dir mit!

    Mein großer Traum vom Marathon kam tatsächlich in einer Meditation zu mir und ich habe mich bereits beim Zieleinlauf gesehen. Es ist unglaublich motivierend und im wahrsten Sinne des Wortes bewegend, sich solch ein Ziel zu setzen! Mein Marathonjahr wird 2015, wenn ich 30 werde!

    Ostersonntag bin ich jedoch schon meinen ersten Halbmarathon ganz allein für mich gelaufen und es war ein unglaublich schönes Gefühl! Das werde ich im Herbst definitiv bei einer offiziellen Laufveranstaltung wiederholen. Ich habe sowas von Feuer gefangen!

    Lass uns gegenseitig eine Inspiration und Unterstützung sein! Auf dem Weg zum ersten Marathon!

    Alles Liebe Kristin

  • Liebe Kristin,

    das war wirklich unglaublich, was das Laufen und speziell der gestrige Lauf alles an Gefühlen ausgelöst hat. Ich habe nochmal richtig gespürt, was sich in den letzten beiden Jahren alles zum Guten verändert hat.

    Ich hätte auch nicht gedacht, dass dieses Jahr mein Marathon-Jahr wird. Der Gedanke kam bei einem Lauf letzte Woche und hat sich einfach nur richtig angefühlt. Ich freue mich total auf das Abenteuer, das jetzt ansteht.

    Ich finde es auch bewundernswert, dass du einfach für dich alleine die Halbmarathon-Distanz gelaufen bist. Ich bin schon gespannt, wo du dann den ersten offiziellen Halbmarathon bestreiten wirst.
    Am meisten freue ich mich aber, dass wir uns auch auf diesem Weg begleiten werden. <3

  • Super Bericht und toll geschrieben. Ach und Wahnsinns Zeit. Da hast du mal eben ohne Training meine Bestzeit unterboten. Die Welt ist unfair:D
    Ich wünsch dir viel Erfolg auf deinem Weg zum ersten Marathon. Höre immer auf deinen Körper und vernachlässige die Regeneration nicht.

    LG Judith

  • Haha, tut mir leid, dass die Welt so unfair ist. 😉 Meine Beine waren einfach super flink am Sonntag!
    Das Marathontraining wird auf jeden Fall zeigen, was sich an den Veränderungen in den letzten 2 Jahren schon gefestigt hat und wo ich noch an mir arbeiten muss. 🙂

  • Jaaaaa, es wird der Frankfurt Marathon! Ich hoffe, ich treffen da auch auf euch 2.
    Bei Fragen werde ich mich auf jeden Fall an euch wenden.
    Alles Liebe

  • Wirklich super geschrieben – so motivierend!! Auch von mir ganz herzlichen Glückwünsch zu dieser super Zeit! Es ist oft so, wenn man es nicht erwartet, dann werden es die besten Läufe. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Energie für dein Marathontraining und ich freue mich schon bei dir darüber zu lesen. Übrigens liebe ich die Glee Version von Dont stop believin auch total – beim hören glaubt man dann wirklich, man kann ALLES schaffen 🙂 LG

  • TOLL! Diesen Beitrag habe ich mit ganz viel Freude gelesen, da Deine eigene Freude die Worte zum Hüpfen brachte! Ich freue mich total für Dich, dass Du ein so tolles Erlebnis hattest und nun ganz euphorisch in Deine Laufzukunft blicken kannst! Einfach nur toll! Behalte Dir das ganz lange vor Deinem inneren Auge! Und hier kannst Du ja immer nachlesen 🙂 Ich drück Dich!

  • Das stimmt: Bei dem Lied hat man wirklich das Gefühl, dass man ALLES schaffen kann!
    Und ich sollte glaube alle meine zukünftigen Läufe mit dieser Leichtigkeit angehen – auch wenn ich mir fürs Training bestimmte Ziele gesteckt habe. Wenn's damit dann doch nicht klappt, ist das ja überhaupt nicht schlimm – solange das Erlebnis schön war. 🙂

  • Die Euphorie hält immer noch an – ist das nicht der Wahnsinn? Und wenn's mir mal schlecht geht, dann muss ich mir wirklich angewöhnen, diese Beiträge nachzulesen und mich daran zu erinnern, dass mich die Leichtigkeit ans Ziel gebracht hat.
    Alles Liebe!

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