2013 – das “andere” Jahr

Schon wieder ist es passiert. Ich wollte 2013 schreiben, doch statt der “3” hat sich am Ende wieder die “2” eingeschlichen. Ich habe mich wirklich bis zum Schluss nicht daran gewöhnt, diese Jahreszahl zu schreiben. Wobei das nicht heißen soll, dass ich wünschte, es wäre noch bzw. wieder 2012, oder dass 2013 ein schlechtes Jahr gewesen wäre.
Wenn ich aber auf dieses Jahr zurückblicke, dann kommt mir am schnellsten folgendes in den Sinn: anders. 2012 war schon ein anderes und aufregendes Jahr, aber 2013 toppt die “Andersartigkeit” noch einmal. So vieles hat sich weiter verändert und gefühlt liegen Welten zwischen dem 31.12.2013 und dem 31.12.2012. Wo ich 2012 noch als Achterbahnfahrt mit vielen Loopings erlebt habe, so ist jetzt trotz der vielen Veränderungen etwas Ruhe eingekehrt. Der Sturm ist abgeklungen und ich konnte mit dem Wiederaufbau beginnen.

Nachdem ich das Jahr in der Klinik gestartet und dort auch noch den ersten Monat verbracht hatte, musste ich mich der großen Frage stellen: Wie geht’s jetzt weiter?
So vieles musste neu gestaltet werden: Meine berufliche Situation, Beziehungen zu Mitmenschen, die Beziehung zu mir selbst, meine weiterführende Behandlung usw. Ich wollte wahnsinnig viel und hatte doch gleichzeitig immer die Angst, dass mir wieder alles zu viel werden könnte. Daher bin ich möglichst wenig Verpflichtungen eingegangen und habe mich sehr stark auf mich selbst fokussiert. Bis zu einem gewissen Grad war das bestimmt notwendig. Doch hat das leider auch dazu geführt, dass ich mich rückblickend auch ziemlich stark von anderen Menschen isoliert habe. Soziale Kontakte und der Austausch mit anderen wurde auf ein Minimum reduziert, was ich wirklich schade finde. Gleichzeitig war das womöglich auch einer der Gründe, warum auf dem Blog oft Stille herrschte.

Von Außen betrachtet stand natürlich ein Thema im Mittelpunkt: Mein neuer beruflicher Weg.
Ich muss sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, was sich da 2013 getan hat. Einen ersten Schritt dafür habe ich ja schon 2012 gewagt, als ich mich dazu entschlossen hatte, die Fitnesstrainer-B-Lizenz zu machen. Während der Präsenzphase für diesen Lehrgang fiel für mich die Entscheidung, dass ich mich hauptberuflich in diese Richtung entwickeln und mit der Ausbildung für die Fitnesstrainer-A-Lizenz weitermachen möchte. Doch wollte ich weiterhin einen Fernlehrgang machen und so die Möglichkeit haben, die Ausbildung nebenberuflich fortzuführen. Auch wenn ich mir für 2013 nicht viele Ziele gesteckt hatte, so wollte ich doch eines unbedingt erreichen: Eine Festanstellung als Trainer in einem Fitnessstudio finden. Ich freue mich so unglaublich, dass es damit geklappt hat!
Aber es ging für mich dabei um mehr, als nur einen neuen Job zu finden. Noch vor einem Jahr war mir völlig schleierhaft, wie ich überhaupt wieder Spaß bei der Arbeit haben sollte – speziell in einem Angestelltenverhältnis. Eine der schönsten Erfahrungen der letzten Monate war tatsächlich, dass ich mich auf meine Arbeit freuen konnte und ich gerne hingegangen bin – egal ob ins Fitnessstudio oder in den Bioladen. Ausschlaggebend dafür war mit Sicherheit, dass ich mir Zeit genommen habe, damit sich manche Dinge entwickeln konnten. Ich habe mich z.B. nicht gleich nach dem Klinikaufenthalt wieder arbeitslos gemeldet, sondern erst, als ich das Gefühl hatte, das ich bereit bin, mich dem zu stellen. Außerdem hatte ich auch beim Arbeitsamt einen tollen Berater, der mir die Möglichkeit gab, mir zunächst eine Stelle als Fitnesstrainer zu suchen, bevor ich mich wieder auf Stellen bewerben musste, die eher zu meiner bisherigen Ausbildung passten. Ich kam so wieder langsam in den Arbeitsalltag zurück und hatte gleichzeitig ein gutes Gefühl bei dem, was ich tat.
Dass das aber nicht nur an dem neuen beruflichen Umfeld lag, der besser zu meinen Interessen passt, wurde mir spätestens dann klar, als sich auch gegenüber dem neuen Beruf alte Verhaltensmuster gezeigt haben. Zu hohe Ansprüche und unrealistische Erwartungen hätten wieder dazu führen können, dass ich in den selben Teufelskreis zurückkehre, wenn ich nicht die Möglichkeit gehabt hätte, diese Themen in der Therapie zu betrachten.

Noch wichtiger als meine berufliche Veränderung, ist daher, was sich in mir im letzten Jahr verändert hat.
Denn ohne diese Veränderung wäre nichts, was ich im Außen verändere, von Dauer. Mit das wichtigste, was ich in der Therapie gelernt habe, ist, die emotionalen Konflikte dort auszutragen, wo sie eigentlich hingehören. Schwierig daran ist nur, dass ich das selber oft gar nicht genau erkenne. Oft habe ich mich gewundert, warum ich mich über manche alltäglichen Kleinigkeiten so wahnsinnig ärgern kann, dass mich Ärger und Wut vollständig zu beherrschen schienen. In der Arbeit mit meiner Therapeutin konnte ich aber schon oft durchblicken, was eigentlich hinter der Wut steckt und emotionalen Dampf ablassen (was nicht heißen soll, dass ich bei meinen Sitzungen große Wutausbrüche habe). Trotzdem erschreckt es mich manchmal, was da so alles im Verborgenen liegt, und ich frage mich, wann das mal ein Ende hat. Ich sehe es aber wie folgt: Irgendwann muss ich mir die Dinge anschauen, dann kann ich’s auch jetzt machen.
Die Therapie ist zwar zeitintensiv, doch stellt sie einen wichtigen Teil meines derzeitigen Lebens dar. Ich kann’s mir ganz ohne Therapie aktuell nicht vorstellen und frage mich daher auch nicht, wie viele Stunden ich noch übrig habe oder wann ich damit “fertig” sein will. Damit werde ich mich auseinandersetzen, wenn es soweit ist.

Die Neuanfänge haben das zu Ende gehende Jahr bestimmt. Vielleicht hat es sich genau deswegen auch so anders angefühlt. Es ist nicht wirklich mit dem vergleichbar, was ich in den Jahren zuvor erlebt hatte. Und genau das ist das Schöne daran. So anders 2013 auch gewesen sein mag, so war es dennoch ein tolles Jahr für mich!
Gerade in den letzten Wochen hatte ich das Gefühl, dass ich mir wieder ein Stück näher gekommen bin, sich eine neue “Basis” aufgebaut hat und ich mich bereit fühle, Neues anzugehen und mir Dinge vorzunehmen, ohne dass mir die Angst vor Überforderung im Nacken sitzt. Ich bin sogar soweit, dass ich mir für das neue Jahr einige Vorsätze überlegt habe, die ich in den nächsten Tage mit euch teilen werde. Und DAS ist für mich persönlich ein ganz großer Entwicklungssprung.

Ich wünsche euch, dass ihr die letzten Stunden des Jahres 2013 mit viel Freude und Liebe erlebt, und freue mich, mit euch gemeinsam in das nächste Jahr zu starten!

4 Comments

  • Ein toller Jahresrückblick! Lieben Dank für das Teilen deiner Erfahrungen! Es ist faszinierend zu lesen, für wie viele Menschen das Jahr 2013 sehr bewegend war! Auch für mich war es innerlich ein Jahr des Umbruchs. Habe auch gerade darüber geschrieben: http://www.eattrainlove.de/2013/12/rueckblick-2013-das-war-mein-jahr/

    Ich wünsche dir für 2014 alles, alles Liebe und Gute und freue mich darauf, weiterhin in vielen Punkten gemeinsame Wege zu gehen! 🙂

    Deine Kristin

  • Liebe Julia!! Mich freut es sehr, das es dir wieder so gut geht, es war für mich immer besonders spannend deinen Weg mitzuverfolgen – einfach weil es so viele Parallelen zwischen uns gibt! Ich hatte im vergangenen Jahr auch endlich die Erkenntnis, das es einfach so nicht weitergehen kann – ich war dann 5 Monate daheim und habe diese Zeit intensiv für mich selbst genutzt. Ich bin mir jetzt auch wieder näher, weiß wie ich Kraft tanken kann und was mir nicht gut tut. Natürlich ist es ein lebenslanger Prozess, ich werde immer an mir arbeiten, aber ich habe wieder eine gute Basis aufgebaut und habe wieder Spass am Leben und meine Balance gefunden. Ich wünsche dir für 2014 nur das Beste, und bin schon gespannt, was du für neue Pläne hast! 😉 Liebe Grüße, Ulli

  • Liebe Ulli,

    das ist so schön zu hören, dass du die Auszeit nutzen konntest und wieder zu dir gefunden hast.
    Ich wünsche dir für die kommenden Monate auch alles Gute, viel Gesundheit und v.a. ganz viel Liebe und Freude.

    Liebe Grüße
    Julia

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