Auf dem Weg zum Babyglück

Ich erlebe und genieße meine erste Schwangerschaft in vollen Zügen! Ich bin total überwältigt – im positiven Sinn – von dem natürlichen Prozess dieses kleinen Wunders, das gerade in mir passiert. Doch war unser Weg zu Babyglück nicht immer einfach, denn v.a. ich habe lange gebraucht, bis ich mich wirklich dafür bereit gefühlt habe. Wie ich diesen Weg beschritten habe, erzähle ich dir im heutigen Beitrag.


AufDemWegZumBabyglück

Will ich wirklich Kinder?

Das ist wohl eine Frage, die sich jeder irgendwann einmal im Leben stellt. Für manche ist die Antwort ganz eindeutig, bei anderen ergibt sich die Antwort auf diese Frage auch erst im Lauf des Lebens. Für mich war die Antwort schon immer ein eindeutiges Ja. Für mich sind eigene Kinder – und unter “eigene” fallen bei mir nicht nur die Kinder, deren biologische Eltern man ist, sondern für die man einfach Eltern ist – Teil des Lebens. Und glaub mir, diese Antwort habe ich schon ganz oft hinterfragt. Es ist nichts, was ich rational erklären könnte, ich habe mich auch nie als sehr mütterliche Person gesehen, doch tief in meinem Inneren war das für mich immer klar – und für meinen Mann Gott sei Dank auch.

Warum fällt es mir dann so schwer, mich darauf einzulassen?

Ich habe mich deswegen so oft gefragt, ob ich wirklich Kinder haben möchte, weil ich mich ganz lange überhaupt nicht darauf einlassen konnte. Ich habe zwar ganz lange gesagt “30 ist mein Babyalter”, also dass ich mit 30 mein erstes Kind bekommen möchte, aber das war für mich eher eine Strategie, um mich nicht näher damit auseinandersetzen zu müssen, was es für mich eigentlich bedeutet, Mutter zu werden. Ich wollte das – wie so vieles andere in meinem Leben – einfach planen und dann würde das schon funktionieren.
Tja, der Plan wurde mit meiner Depression vor vier Jahren ein Mal gehörig über den Haufen geworfen. Jetzt war ich zwar verheiratet – das sollte in meinem Plan natürlich auch möglichst vor dem Kinderkriegen passiert sein –, aber nur ein paar Monate später war ich krank und mir war klar, dass ein Kind jetzt nicht die Lösung meiner Probleme ist (auch wenn mir das ein Therapeut, bei dem ich zum Erstgespräch war, ernsthaft empfohlen hat: Ich solle doch ein Kind bekommen, Kinder seien so sinnstiftend – und mein Mann hätte ja einen guten Job, da könne ich mich ja jetzt auf Kinder konzentrieren – ich dachte, ich bin im falschen Film…).

Zu diesem Zeitpunkt war ich ehrlich gesagt ein bisschen froh, dass ich das Thema Kinder erst einmal aufschieben konnte, ohne dass ich mich groß erklären musste. Natürlich wäre es ganz großer Unfug gewesen, ein Kind zu bekommen, als es mir seelisch und emotional so schlecht ging. Doch auch ein Jahr danach, als ich die akute Phase der Depression längst überstanden und auf einem stabilen Weg war, blieb das Thema Kinder immer noch schwierig für mich. Ich konnte mich einfach nicht auf dieses Lebensabenteuer einlassen, auch wenn es für mich doch zu meinem Leben dazugehören sollte.

Da sind sie wieder, meine Ängste…

Ganz ehrlich: Ich hatte unglaubliche Angst davor, eigene Kinder zu bekommen. Warum? Weil es für mich lange der Inbegriff der Unsicherheit, des Unvorhersehbaren, des ultimativen Sich-auf-etwas-Einlassen-ohne-Wenn-und-Aber war – und das alles hat in mir Panik ausgelöst!
Was ist, wenn ich dann doch feststelle, dass das Muttersein nichts für mich ist? Oder ich total überfordert bin und mit der Situation oder – noch schlimmer – mit unserem Kind nicht zurechtkommen? Oder ich total genervt bin, weil ich keine Zeit mehr für mich und meine Bedürfnissen habe? Ich kann das Kind ja nicht einfach wieder zurückgeben. Außerdem konnte ich mir sehr gut vorstellen, was ich wahrscheinlich alles aufgeben müsste oder wie anstrengend schlaflose Nächte und ein quengliges Kind sein würden. Die Liebe, die man für sein eigenes Kind empfinden wird, ist allerdings nur sehr schwer vorstellbar. Wie soll ich also etwas wagen, das ich mir eigentlich gar nicht vorstellen kann?

Ich weiß, das sind alles sehr Ich-bezogene Ängste, die zeigen, dass mein Selbstvertrauen noch einiges an Arbeit brauchte. Hier haben sich einfach viele meine tiefen Ängste, v.a. die Angst davor, Fehler zu machen und nicht alles kontrollieren zu können, gebündelt. Doch ich wusste, dass ich diese Arbeit gerne leisten möchte, denn der Kinderwunsch blieb trotz allem immer bestehen. Und ich hatte in Sachen Kinder ja nicht nur Ängste vorzuweisen: Was für mich z.B. nie ein Problem gewesen ist, ist die lebenslange Bindung, die ich durch ein Kind mit meinem Mann eingehen würde. Das ist, wie ich finde, auch ein großes Thema und es hat mir Mut gemacht, dass ich auch die anderen Themen für mich lösen kann.

Kinder – das ultimative Lebensabenteuer!

Ich habe mich daher in den letzten drei Jahren immer wieder intensiv damit auseinandergesetzt, was es für mich bedeutet, Kinder zu bekommen, und was daran schwierig für mich ist. Neben der Bearbeitung meiner Ängste musste ich z.B. auch mit einigen Erwartungshaltungen ans Elternsein bzw. Erwachsensein aufräumen. Ich hatte in meinem Kopf diese Vorstellung, ich müsste erst einmal “richtig erwachsen werden”, bevor ich eigene Kinder bekommen kann. Doch hatte ich nie näher für mich erörtert, was “richtig erwachsen sein” für mich bedeutet. Als ich dem auf den Grund ging, kam ich ziemlich schnell zu dem Schluss, dass ich doch sehr erwachsen bin, denn ich übernehme für mich und mein Leben Verantwortung. Ich habe auch in meiner Beziehung zu meinen eigenen Eltern vieles geklärt und empfinde sie jetzt als eine erwachsene Eltern-Kind-Beziehung. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch mal kindliche Momente habe, in denen ich total albern bin, mir ganz viel Geborgenheit wünsche oder einfach mal ein bisschen Verantwortung abgeben möchte. Doch auch das gehört zum Erwachsensein dazu!
Ich habe auch viel mit meinen Freundinnen, die schon Mütter sind, gesprochen und mir von ihrem Erleben, ihren Erfahrungen und ihren Gefühlen zum Elternsein erzählen lassen. Da fiel dann zwar auch oft “Du kannst dir einfach nicht vorstellen, was für eine Liebe du zu deinem Kind empfindest” – ja, das war mir nur allzu bewusst, dass ich mir das nicht vorstellen kann. Doch je öfter ich dann auch “Ja, es gibt Phasen die sind richtig sch…, doch die schönen überwiegen das locker” hörte, desto mehr konnte ich mich dem auch auf einer emotionalen Ebene öffnen.
Ich habe natürlich auch immer offen mit meinem Mann darüber gesprochen, wenn das Thema gerade wieder in mir gearbeitet hat. Er hat mir Gott sei Dank nie Druck gemacht, denn er ist schon viel länger bereit für Kinder als ich, und mir bei vielen meiner Ängste nach und nach den Wind aus den Segeln genommen.

Und dann, nachdem ich mir wirklich die Zeit gegeben hatte, die es gebraucht hat, kam dieser Moment, wo ich es für mich gespürt habe: Ich muss es einfach wagen, dieses ultimative Lebensabenteuer Kinder! Auch wenn ich mich nie 100% vorbereitet und sicher fühlen werde, so fühlte ich mich zu 100% bereit, mich gemeinsam mit meinem Mann auf dieses Abenteuer einzulassen, weil ich spürte, dass ich bereits viele wichtige Entwicklungsschritte gemacht hatte und mich auf dem Weg immer weiter entwickeln werde. Endlich war dieses Vertrauen in mich selbst groß genug! Und das genieße ich auch jetzt, wo ich fast die Hälfte der Schwangerschaft bereits geschafft habe: Ich bin so zufrieden und entspannt bei dieser großen Veränderung, dass ich mich selbst fast nicht wiedererkenne. Natürlich bin ich nicht immer gut drauf und mache ich mir auch mal Sorgen, aber Panikattacken sind in ganz weiter Ferne. Gleichzeitig finde ich es total spannend, dieses erste Mal Schwangersein mit Neugier zu erleben und mich nicht ständig unbehaglich zu fühlen, weil alles so neu und ungewohnt und unbekannt ist und ich mich überhaupt nicht auskenne. Ich finde das unglaublich großartig und freue mich daher umso mehr auf das, was noch vor uns liegt.

Ich weiß, es gibt ganz viele Gründe, warum es mit dem Kinderwunsch nicht so klappt, wie man sich das vorstellt. Ob das, wie bei mir, eher emotionale Themen sind, oder körperliche oder die Lebensumstände gerade nicht passen oder eine Mischung aus allem: Wenn man Kinder möchte und es (noch) nicht klappt, dann kann das sehr belastend sein.

Daher wünsche ich allen, die auch gerade auf diesem Weg sind und bei denen es vielleicht etwas holprig ist, ganz viel Kraft und dass das Babyglück bald in greifbarer Nähe ist!

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